Maria Castiglioni

„Ich hatte ein einfaches Leben.“  

Alter auf dem Foto: 105

Maria Carla Castiglioni wird 1920 in Mailand geboren, ihre Eltern stammen aus einem Dorf in der Provinz Varese. Ihre Mutter ist Hausfrau und ihr Vater, ein Bauingenieur, ist Inhaber eines sehr aktiven Bauunternehmens in Mailand. Maria Castiglioni, wie sie sich nennt, verbringt eine gewöhnliche Kindheit ohne besondere Ereignisse zusammen mit ihren drei Geschwistern: Agnese, Ugo und dem jüngsten, Cleme, geboren 1926.  

In der Schule zeichnet sich Maria Castiglioni durch ihre Lebhaftigkeit und Scharfsinnigkeit aus, Eigenschaften, die sie später dazu veranlassen, Lehrerin zu werden. Sie unterrichtet am Institut der Marcelline-Schwestern auf der Piazza Tommaseo in Mailand. Als unverheiratete Frau interessiert sie sich seit jeher für das Leben ihrer Schülerinnen. Sie liebt die öffentlich zugänglichen Schulaufführungen, die Freundschaft mit den Nonnen und schätzt die herzliche Atmosphäre ihres Arbeitsumfelds.  

Nach ihrer Pensionierung gibt Maria Castiglioni Privatunterricht zu Hause und kümmert sich um ihre alte Mutter und ihre Schwester Agnese, die nach dem Tod ihres Mannes krank geworden ist. Sie begleitet sie allein bis zum Ende ihres Lebens, da ihr Bruder Cleme im Ausland arbeitet. Cleme zieht aus beruflichen Gründen in die Schweiz. Als Spezialist für Großbaustellen ist er am Bau des unterirdischen Teils von Lugano beteiligt. In Mailand realisiert er außerdem mehr als hundert Bauwerke. 

Mit 105 Jahren lebt Maria Castiglioni lebt in Lugano im Haus ihres Bruders Cleme, in einer Wohnung mit Blick auf den See. Cleme nahm sie gerne bei sich auf, dankbar dafür, dass sie seine Mutter und seine Schwester gepflegt hat. Maria Castiglioni ist ihrem Bruder ihrerseits dankbar für seine ständige Fürsorge, würde aber gerne wieder viele Dinge selbst tun, ohne von ihm und der häuslichen Pflege abhängig zu sein.  

Als Frau, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geboren wurde, denkt Maria Castiglioni oft über die tiefgreifenden Veränderungen in der Welt nach. Sie ist der Meinung, dass das Leben früher einfacher und fröhlicher war, auch wenn sie die Zeit des Faschismus erlebt hat.  

Über hundert Jahre alt zu werden, erscheint ihr „normal”. Maria Castiglioni ist bei guter Gesundheit; sie hatte nie ernsthafte Gesundheitsprobleme, abgesehen von einem Sturz, der zu einer Hirnblutung führte, von der sie sich jedoch wieder erholte. Sie ernährt sich einfach und trinkt nur wenig Wein.  

Maria Carla Castiglioni blickt auf ein einfaches, fast „ereignisloses” Leben ohne große Emotionen zurück, das sie dem Unterrichten und der Fürsorge für ihre Schwester gewidmet hat. Ihr Bruder beschreibt sie als leidenschaftliche, stolze und sehr eigensinnige Frau.