“Man muss ins kalte Wasser geworfen werden, um schwimmen zu lernen.“

Harry Trevisani wurde 1922 in Zürich geboren. Seine Kindheit verbringt er mit seinen Eltern in Mailand, wo er die Schweizer Schule besucht. Nach der obligatorischen Schulzeit schicken ihn die Eltern an die Kantonsschule Trogen (AR), damit er weiterhin vom schweizerischen Schulsystem profitieren kann. Dieser Schritt ist für Harry Trevisani nicht einfach – insbesondere während des ersten Jahres am Gymnasium plagt ihn das Heimweh, er fühlt sich einsam und traurig. Doch mit der Zeit lebt er sich ein und kann an der Schule Freundschaften knüpfen, die lange bestehen bleiben.
Nach seiner Matura zieht Harry Trevisani zurück nach Italien und beginnt an der Technischen Hochschule in Turin zu studieren. Dies findet jedoch bald ein abruptes Ende: Der Zweite Weltkrieg bricht aus. Die regelmässigen Bombenangriffe auf Turin zwingen ihn, die Nächte in Luftschutzkellern oder bei Schweizer Freunden zu verbringen. Als er das Universitätsgebäude eines Morgens in Schutt und Asche vorfindet, entscheidet er sich, zurück in die Schweiz zu gehen, wo er an der ETH Zürich Maschinenbau studiert.
Sein grosser Traum ist es, in der Aeronautik zu arbeiten. Deshalb wandert er später in die USA aus, wo er seine Ausbildung abschliesst. Mittlerweile ist der Krieg zu Ende, jedoch ist die wirtschaftliche Situation in den USA schwierig: Als frischgebackener Ingenieur gelingt es ihm nicht, eine Stelle zu finden. Auch der Versuch, mit Freunden eine Firma aufzubauen, scheitert.
Harry Trevisani kehrt in die Schweiz zurück, wo er eine Stelle bei den Gebrüdern Sulzer in Winterthur antritt. Als deren Vertreter reist er in den folgenden Jahren um die ganze Welt. Er lebt in Indien, wo er seine Frau kennenlernt, aber auch in Pakistan, Spanien und Japan. In dieser Zeit wird er Vater von drei Töchtern, die in den Jahren 1955, 1957 und 1959 zur Welt kommen.
Später arbeitet Harry Trevisani bei einer Firma, die auf Ventile für Ölleitungen und Messgeräte für den Durchfluss von Öl spezialisiert ist. Die letzte berufliche Etappe absolviert er, zuerst als Angestellter, später als Inhaber, bei einer Firma, die Tragflügelboote entwickelte.
Sein ganzes Leben lang bleibt Harry Trevisani aktiv und lernt immer wieder Neues: Er trainiert akrobatisches Fliegen, fährt verschiedene Boote und baut Häuser. Auch mit über 100 Jahren fährt er noch Auto und ist jeden Tag unterwegs. Er schmiedet weiterhin Pläne, benutzt weiterhin seinen Computer, um beispielsweise Emails zu schreiben, und will immer wieder aus dem Haus.
Vor drei Jahren verstarb seine Frau, sie kannten sich 70 Jahre. Seither lebt eine seiner Töchter bei ihm im Haus, im oberen Stockwerk, und führt dort ein Kosmetikstudio.
100 Jahre alt zu werden ist nie sein Ziel gewesen, aber er ist dankbar, dass er dieses Alter in so guter Gesundheit erreicht hat. Schmunzelnd sagt er, manchmal fühle er sich auf unsinnige Weise jünger als 100 – und wolle dann Dinge tun, die er eigentlich nicht mehr kann. Aber sein eigener «Gwunder» habe ihn ständig dazu gebracht, Unbekanntes zu ergründen.



