Emma Lina Susanna Schneider

“Arbeiten ist wichtig: So hat man keine Zeit, Unsinn zu machen!” 

Alter auf dem Foto: 104 Jahre

Emma Schneider wird 1919 auf dem Bauernhof der Familie Rinderknecht in Zürich Oberstrass geboren. Sie ist eines von fünf Kindern und verbringt eine glückliche Kindheit.

Schon früh hat sie den Wunsch, Übersetzerin zu werden. Nach einem fünfmonatigen Aufenthalt in England macht der Krieg diesem Traum ein Ende. Mit der Unterstützung ihres Vaters absolviert Emma eine Ausbildung zur Laborantin und besucht Vorlesungen an der Universität. Kurz vor ihrer Diplomierung wird sie im Mai 1940 zum Militärdienst einberufen und erhält den Auftrag, mit einem Arzt ein Labor auf einem Militärstützpunkt einzurichten. Dann heißt es abwechselnd: drei Monate im Dienst und drei Monate zivilen Einsatz. Diese Jahre sind schwierig, prägen sie jedoch zutiefst: Sie erwirbt Fähigkeiten, die sie sonst nie hätte lernen können.

Zu dieser Zeit trifft Emma Schneider ihren späteren Ehemann, Hugo Schneider, einen ehemaligen Schulkollegen ihrer Brüder. Über ein Jahr lang schickt er ihr jeden Montag eine Postkarte, ohne jemals eine Antwort zu erhalten. Schließlich willigt sie doch ein, ihn zu heiraten. Sie legt ihre eigene Karriere auf Eis, um ihren Mann, einen renommierten Militärhistoriker, zu unterstützen. Emma Schneider wird seine Sekretärin und wissenschaftliche Mitarbeiterin, begleitet ihn zu internationalen Kongressen, trifft Königin Elisabeth II. und empfängt Farah Diba, die Frau des Schahs von Persien.

Das Ehepaar Schneider führt ein intensives intellektuelles Leben. Nach dem Krieg besuchen sie die großen historischen Museen Europas, um die Waffensammlung des Zürcher Museums zu modernisieren. Da sie keine Kinder haben, widmen sie ihre ganze Energie ihrer Arbeit. Die Jahre zwischen vierzig und fünfzig sind für Emma Schneider die glücklichsten. Kurz nach der Pensionierung erkrankt ihr Mann an Leukämie, er stirbt im Alter von 70 Jahren. Sie pflegt ihn bis zum Ende zu Hause. Sie waren 44 Jahre verheiratet. Bei seiner Trauerfeier ist das Grossmünster bis auf den letzten Platz besetzt.

Nach diesem Verlust bricht Emma Schneider zusammen und baut sich dann wieder auf. Sie vollendet die letzten beiden Veröffentlichungen ihres Mannes und entdeckt dann die Porzellanmalerei für sich. Sie wird Adoptivgroßmutter der Söhne einer Nachbarin. Sie veröffentlicht ihre Memoiren. Einmal pro Jahr macht sie eine Kreuzfahrt. Mit 103 Jahren lebt sie immer noch allein, kocht selbst und achtet auf ihre Gesundheit: Sie trainiert jeden Tag auf ihrem Heimtrainer, ein Aquarell des elterlichen Hofs vor Augen.

Emma Schneider ist, obwohl fast erblindet, weiter neugierig auf die Welt: Sie hört Radio, liest dank eines Vergrößerungsgeräts und informiert sich über das Geschehen. Und freut sich auf die nächste Eishockey-Weltmeisterschaft.

Als Mitglied der Vereinigung Exit sagt Emma Schneider: «Wenn ich wirklich pflegebedürftig werde, möchte ich nicht mehr weitermachen.» Bis dahin lebt sie ihr Leben mit Klarheit, Humor und beeindruckender Energie weiter. Kurz nach ihrem 104. Geburtstag stürzt sie schwer und beschließt selbstbestimmt ihr Leben.