“Hart arbeiten, aber auch das Leben geniessen.”

Adrian Durizzo wird 1921 in Lotzwil als Sohn italienischer Einwanderer aus Como geboren. Obwohl seine Eltern ihn Egidio nennen wollen, wird er amtlich als Adrian eingetragen, seinem Zweitnamen, der erste ist dem Beamten zu kompliziert. Nach einer entbehrungsreichen, aber glücklichen Kindheit absolviert er in Liestal eine 4-jährige Lehre in der Wolltuchbranche. Er tritt damit in die Fussstapfen seiner seit vier Generationen in der Textilbranche tätigen Vorfahren. Während der Lehre besucht er Abendkurse in Geometrie, Physik und Mathematik.
Während des Zweiten Weltkriegs studiert er für 4 Semester Textilingenieurwesen in Cottbus (Deutschland), wird jedoch 1942 als italienischer Staatsbürger zum Militärdienst eingezogen und auf Lampedusa stationiert, wo er für die Radarstation und als Dolmetscher tätig ist. Nach der Bombardierung der Aliierten1943 verlassen alle Kriegsbeteiligten die Insel fluchtartig und Adrian schafft es nur aufs Festland, weil der italienische Inselkommandant ihn aus Dankbarkeit aufs letzte Boot mitnimmt. Diesem hatte er ermöglicht, über die deutsche militärische Telefonverbindung mit seiner Frau zu telefonieren.
Da er kein Italienisch spricht, ist er ohne weiteren Nutzen für die Italiener. Er flüchtet, zuerst mit dem Zug, dann 500 km zu Fuss. Mit Hilfe eines Hirtenmädchens findet er bei Nacht und Nebel über die Grüne Grenze in die Schweiz zurück. Deshalb berührt ihn das Volkslied «La Montanara» (ital. für Berglerin) ein Leben lang.
Bald findet er Arbeit als Textilingenieur, beginnt zudem mit Textilmaschinen zu handeln. Mit knapp 30 Jahren macht er sich selbständig, er mietet eine Garage, kauft zwei alte Textilwebstühle, und beginnt Frottierwäsche zu weben. Mit seinem jüngeren Bruder René vergrössert er das Geschäft sukzessive. Es entsteht eine Fabrik in Sissach mit rund 30 Arbeitern. 1958 heiratet er Gertrud Steinbeck, wird Vater zweier Töchter und später Grossvater von zwei Enkeln.
Das Leben von Adrian Durizzo ist geprägt von Machertum, Innovationsgeist und harter Arbeit. Privat bleibt er lebenslang ein geselliger und geniesserischer Mensch, der die Freuden des Lebens liebt. Nach dem Verlust fast aller Freunde und Bekannten im Alter bleiben ihm tolle Nachbarn, welche sich bis zur Corona-Pandemie regelmässig treffen.
Durch seine Technikbegeisterung lernt er noch in hohem Alter den Umgang mit dem Computer, um Geburtstagskarten zu kreieren, mit seinen Enkeln in England zu skypen und mit alten Bekannten im E-Mail-Kontakt bleiben zu können. Er schafft sich ein Elektroauto an und baut dies so um, dass sein Rollator darauf Platz hat. Unabhängigkeit ist ihm sehr wichtig.
Was ihm im Alter zu schaffen macht, sind seine Schwerhörigkeit und die kraftlosen Hände, hat er doch zeitlebens gerne gehandwerkelt und gebastelt. Dennoch ist er sehr dankbar für die Möglichkeit, sich beruflich verwirklicht haben zu können und vor Krankheiten und Schicksalsschlägen bewahrt worden zu sein.



