2019

«Unglaubliche Bergwunder» Johann Jakob Scheuchzer und Graubünden. Ausgewählte Briefe 1699 –1707, Simona Boscani Leoni (Hg.), 2019.

Johann Jakob Scheuchzer (1672–1733), Stadtarzt in Zürich und Naturforscher von europäischer Statur, publizierte 1699 einen Fragebogen zur «Erforschung natürlicher Wunderen, so sich im Schweitzer-Land befinden». Dieser umfasste 189 Fragen und zielte auf ein Wissen, das von der Beschaffenheit der Schneekristalle über die Fressgewohnheiten der Wildtiere bis zur Milch- und Alpwirtschaft reichte. Im Freistaat der Drei Bünde, dem heutigen Graubünden, konnte Scheuchzer auf dieser Grundlage viele Informanten gewinnen. Es kam zu einem regen Briefwechsel zwischen dem Berggebiet und der Stadt. Zusätzlich reiste der Zürcher Gelehrte bis 1707 mehrere Male selbst nach Graubünden, um die «unglaublichen Bergwunder» dieses Landes mit eigenen Augen zu sehen. Der vorliegende Band macht wichtige Dokumente dieser frühen, faszinierenden Forschungsinitiative erstmals öffentlich zugänglich.

Editionsidee und Transkription: Simona Boscani Leoni, SNF-Förderprofessorin am Historischen Institut der Universität Bern.
Lateinische Übersetzungen: Bärbel Schnegg

Damien Savoy, Église, sciences et révolutions. La correspondance du chanoine Charles-Aloyse Fontaine (1754-1834), Fribourg, Bibliothèque cantonale et universitaire, 2019.

Le nom du chanoine Charles-Aloyse Fontaine (1754-1834) reste indissociablement attaché à l’histoire politique, religieuse et culturelle du canton de Fribourg. Ecclésiastique libéral, partisan et acteur de la révolution helvétique, dévoué administrateur de l’école du Père Girard, pionnier de l’historiographie fribourgeoise et premier contributeur des musées cantonaux, il dynamisa la vie de sa cité durant plus d’un demi-siècle.

L’ouvrage de Damien Savoy assemble 160 lettres du Fribourgeois, qui le relient à une quarantaine d’interlocuteurs originaires de Suisse, d’Allemagne, de France et d’Italie. Sa correspondance rend compte de l’action réformatrice du chanoine et de la plupart de ses travaux scientifiques. Elle met en exergue les occupations éclectiques d’un savant universel et la vie domestique d’un riche bourgeois en quête de prestige social.

Par les sujets abordés, la correspondance du chanoine offre un matériau exceptionnel pour réinterroger les interrelations entre Église, sciences et révolutions à la fin du siècle des Lumières.

Sebastian Brändli, Chorherr Leonard Brennwald (1750-1818). Ein Zürcher schreibt Tagebuch in unruhigen Zeiten, Chronos, 160 S., 2019

Das ausgehende Ancien Régime der Schweiz erhielt durch die Französische Revolution starke Impulse. Diese wurden freilich von den verschiedenen Akteuren in Zürich und anderswo sehr unterschiedlich aufgenommen. Vor allem Vertreter der Landschaft sahen in den Entwicklungen deutlich mehr Chancen als die Vertreter der bisher regierenden Stadt. Diese Polarisierung zeichnet indessen ein zu einfaches Bild.
Die Tagebuchaufzeichnungen des Zürcher Pfarrers und Chorherrn Leonhard Brennwald – Zeitgenosse der grossen europäischen Umwälzungen der französischen und auch der helvetischen Revolution – ergänzen und differenzieren dieses Bild. Über 5000 Folioseiten schrieb er in den Jahren 1795–1812. Seine Tagesnotizen sind vielfältig, berühren sowohl Fragen der Welt- als auch der Zürcher Geschichte, nennen Freuden und Sorgen der Landbevölkerung, insbesondere in den von ihm betreuten Gemeinden des Zürcher Unterlandes sowie des Knonauer Amts. Er hatte keinen entscheidenden Anteil an den politischen Ereignissen jener Jahre – dem Übergang vom Ancien Régime zur modernen Gesellschaft, der in mehreren Schüben erfolgte –, war aber ein interessierter, gut informierter und reflektierender Beobachter. Politische Ereignisse finden in seinen Aufzeichnungen ebenso einen Niederschlag wie der Gedankenaustausch mit zahlreichen Gesprächspartnern seiner Umgebung.
Sebastian Brändli leistet mit dieser Biografie einen Beitrag zum Verständnis der lokalen und regionalen Geschichte und zur Mentalitäts- und Alltagsgeschichte des ausgehenden 18. Jahrhunderts und beginnenden 19. Jahrhunderts in der Schweiz.