Einleitung

Die schweizerische Selbstzeugnis Datenbank geht aus der Vereinigung zweier Datenbanken hervor, die beide im Rahmen von durch den Schweizerischen Nationalfonds geförderten Forschungsprojekten entstanden sind. Das erste der beiden Projekte, „Deutschschweizerische Selbstzeugnisse (1500-1800) als Quellen der Mentalitätsgeschichte“, wurde zwischen 1996 und 2003 unter der Leitung von Professor Kaspar von Greyerz an den Universitäten Zürich und Basel durchgeführt. An dem Projekt waren ab Juni 1996 zunächst Gudrun Piller und Sebastian Leutert beteiligt, ab 1998 ausserdem Lorenz Heiligensetzer, der es abschloss. Professor Urs Martin Zahnd (Bern) sowie der Schaffhauser Staatsarchivar Roland Hofer haben die entsprechenden Inventarisierungsarbeiten mit unterstützt. Das zweite Projekt, „L’éducation domestique au miroir des écrits personnels en Suisse romande 1750-1820“, wurde zwischen 2010 und 2012 unter der Leitung von Professorin Danièle Tosato-Rigo an der Universität Lausanne realisiert. Fiona Fleischner und Sylvie Moret Petrini haben daran im Rahmen ihrer laufenden Dissertationen mitgewirkt.

Zwischen den beiden Projekten besteht eine gewisse Kontinuität. Sie hatten zwei Ziele: Einerseits die Erarbeitung einer Datenbank zu den unpublizierten Selbstzeugnissen der Frühen Neuzeit (1500-1800/1820), die in den grösseren Archiven (kantonale, städtische, kirchliche und Universitätsarchive) und Bibliotheken der deutsch- und französischsprachigen Schweiz aufbewahrt werden, ausgehend von den Inventaren der angesprochenen Institutionen; andererseits die wissenschaftliche Untersuchung eines Teils dieser Dokumente im Rahmen von Master- und Doktorarbeiten. Inzwischen wird eine neue Zusprache von Mitteln des Schweizerischen Nationalfonds an das von Professorin Danièle Tosato-Rigo von 2013 bis 2016 geleitete Projekt „Valorisation scientifique des écrits personnels de Suisse latine (1600-1820)“ neben der Fortsetzung der entsprechenden Inventarisierungsarbeiten in der französischsprachigen Schweiz auch eine Ausweitung der Erhebung auf entsprechende Dokumente aus der italienischsprachigen Schweiz ermöglichen. Auf diesem Wege wird ein sich auf gesamtschweizerische Bestände beziehendes Forschungsinstrument entstehen.

Unter „écrits personnels“ (auch „écrits du for privé“), deutsch „Selbstzeugnisse“ und englisch „Egodocuments“ oder „first person writing“, verstehen wir alle Texte, in denen eine Person für sich selbst, für ihr persönliches Umfeld oder für die Gemeinschaft, der sie angehört, ihre Stimme erhebt. Zu diesen Texten gehören u.a. Autobiographien und Lebenserinnerungen (Memoiren), Tagebücher aller Art, Haushaltsbücher bzw. „livres de raison“, Chroniken, handschriftlich kommentierte Almanache und Rechnungsbücher, Haus- und Familienbücher. Obwohl sie ebenfalls zu diesem Textkorpus gehören, sind Briefe und Korrespondenzen nicht in die Datenbank aufgenommen worden.

Die Datenbank bezieht sich aktuell auf 870 Dokumente der deutschsprachigen und auf 500 der französischsprachigen Schweiz. Sie erhebt nicht den Anspruch, erschöpfend über Selbstzeugnisse die zwischen 1500 und 1820 entstanden sind, zu informieren, da sie sich nur in Ausnahmefällen (öffentlicher Zugang) auf die Bestände von Privatarchiven bezieht. In ihren Beständen spiegeln sich eher (politische) Strategien der Archivierung als ein Anspruch auf vollständige Erfassung.

Die Datenbank erhebt nur ansatzweise den Anspruch, ein Thesaurus zu sein; desto mehr will sie jedoch ein Forschungsinstrument sein. Die erfassten Dokumente werden in ihr sowohl in materieller, wie auch in biographischer und thematischer Hinsicht präzis erfasst, so dass die Datenbank dem Benutzer/der Benutzerin zahlreiche Recherchezugänge ermöglicht – über Namen, Jahrhunderte, Gattungsmerkmale, usw. Rückmeldungen von wissenschaftlichen BenutzerInnen ermöglichen ausserdem die Erweiterung des erfassten Korpus, sofern die inhaltlichen und strukturellen Voraussetzungen dafür gegeben sind.

Leitung der erwähnten Projekte: Professor Kaspar von Greyerz, Universität Basel
Professorin Danièle Tosato-Rigo, Université de Lausanne
Projektmitarbeiter/-innen: Sebastian Leutert, Universität Basel
Gudrun Piller, Universität Basel
Lorenz Heiligensetzer, Universität Basel
Sylvie Moret Petrini, Université de Lausanne
Fiona Fleischner, Université de Lausanne
Maïla Kocher Girinshuti, Université de Lausanne
Miriam Nicoli, Université de Lausanne
Zeitweilige Mitarbeiter/ -innen: Roland Hofer, Staatsarchivar, Schaffhausen
Urs Martin Zahnd, Professor, Universität Bern
Nathalie Dahn, Université de Lausanne
Technischer Support: Jacqueline Frey, Université de Lausanne, Centre informatique
Tilmann Robbe , Universität Basel / Stuttgart
Christophe Pham, externer Mitarbeiter
Nicolas Mermoud, Université de Lausanne
Etablierung der Filemaker-Datenbank: Jan Hodel
Karl Larson
Elias Kreyenbühl