Volet alémanique du projet

Le volet alémanique de Cinémémoire « Teilprojekt I : Deutschschweiz » émane de la Haute école d’art de Zurich en partenariat avec les Universités de Zurich et de Lausanne, section cinéma, et la Cinémathèque suisse. Le projet alémanique a été financé de 2007 à 2010 par le Fonds national suisse (DORE).

Dans ce cadre, 40 cinéastes ou collaborateurs ayant travaillé dans le milieu du cinéma suisse ont été questionnés sur leurs pratiques durant la période dite de transition entre l’« ancien » et le « nouveau cinéma suisse ». Ces interviews, qui représentent plus de 120 heures d’entretiens filmés et qui ont également été transcrites, sont déposées à la Cinémathèque suisse ainsi qu’à la Haute école d’art de Zurich.

Sur la base de ce corpus, cinq films ont été montés dont trois furent présentés aux Journées de Soleure en janvier 2011. En 2013 paraîtra aux éditions Limmat-Verlag Zürich une publication qui inclut un DVD : Zwischen Gotthlef und Godard. Cinémémoire.ch. Erinnerte Schweizer Filmgeschichte (Thomas Schärer).

Dépositaire auprès du FNS : Bernhard Lehner
Responsable du projet et interview : Thomas Schärer
Collaborateurs : Nicole Greuter, Claudia Ramseier, Graziella Bomio
Chef opérateur : Eric Stizel

Site internet: http://ipf.zhdk.ch/english/research/former-research-projects/2009/cinememoire

Liste des entretiens


Cinémémoire.ch, Teil 1 ist ein Projekt der Zürcher Hochschule der Künste in Zusammenarbeit mit den filmwissenschaftlichen Seminaren der Universitäten Lausanne und Zürich sowie der Cinémathèque Suisse. Finanziert wurde es von 2007 bis 2010 vom Schweizerischen Nationalfonds (DORE).

40 Filmschaffende und Filmvermittelnde wurden zu ihrer Arbeitspraxis in der Übergangsperiode vom‚ alten’ zum‚ neuen’ Schweizer Film interviewt. Die über 120 Stunden audiovisuell aufgezeichneten Gespräche und deren Transkripte werden in der Cinémathèque Suisse und an der Zürcher Hochschule der Künste zugänglich sein.

Auf der Basis dieses Korpus’ entstanden 5 Kurzfilme, (drei davon wurden 2011 an den Solothurner Filmtagen präsentiert). 2013 erscheint im Limmat-Verlag Zürich die Buchpublikation inklusive DVD: Zwischen Gotthlef und Godard. Cinémémoire.ch. Erinnerte Schweizer Filmgeschichte (Thomas Schärer).

Gesuchssteller Nationalfonds : Bernhard Lehner
Projektleitung und Interviews : Thomas Schärer
Wissenschaftliche Mitarbeit : Nicole Greuter, Claudia Ramseier, Graziella Bomio
Kamera : Eric Stitzel

Die Sechzigerjahre – eine Phase des Umbruchs

Ende der Fünfzigerjahre geriet die Filmindustrie in vielen Ländern der westlichen Welt in eine Krise. Neue Generationen von Filmschaffenden machten sich bemerkbar und eroberten, ausgehend von Frankreich in „neuen Wellen“ die Kinos. Mit Erklärungen und Manifesten sagten sie sich vom bisherigen Filmschaffen los.

In der deutschen Schweiz lässt sich in den Sechzigerjahren ebenfalls ein Generationen- und Paradigmenwechsel beobachten, der jedoch – im Gegensatz etwa zu Deutschland und Frankreich – eher von Desinteresse am alten Filmschaffen als von dessen konfrontativer Ablehnung geprägt war. Die neue Generation von Filmschaffenden trat so zögerlich auf die Bildfläche, wie die alte abtrat. Dieses Phänomen ist vor allem in der Deutschschweiz zu beobachten. In der Westschweiz existierte in den Fünfziger- und Sechziger Jahre ausserhalb des Gebrauchsfilms und des aufkommenden Fernsehens keine nennenswerte professionelle Filmproduktion.

Seit Ende der Fünfzigerjahre sind wiederholte Anläufe zur Erneuerung  auszumachen, oft unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit, aber erst Ende der Sechzigerjahre wurde aus zahlreichen Einzelkämpfern eine Art Bewegung, etablierten sich eine Generation und ein neuer Zugang zum Film. Thomas Christen bemerkte  zu Recht, dass diese Übergangszeit „schlecht dokumentiert und kaum systematisch untersucht ist“ (Thomas Christen, Der Neue Schweizer Film, in: Einführung in die Filmgeschichte New Hollywood bis Dogma 95, Thomas Christen, Robert Blanchet, Marburg 2008, S. 95).

Diese Lücke versucht Cinémémoire.ch  zu füllen, indem das Projekt die Perspektive auf die Praxis der an der Produktion und Verbreitung von Filmen Beteiligten in den Sechziger- und Siebzigerjahren öffnet. Neben Brüchen und Kontinuitäten werden so Überschneidungen und länger dauernde Ablösungen sichtbar, die bisher kaum beachtet wurden. Ein Schattendasein in der autorenfixierten Schweizer Filmgeschichtsschreibung fristete etwa bislang die Filmtechnik (Kamera, Licht, Ton, Postproduktion), deren jeweiliger Entwicklungstand Ästhetik und Erscheinungsform der Filme massgeblich beeinflusste. Schweizer Filmtechniker genossen und geniessen international einen hervorragenden Ruf und entwickelten in einem Spannungsfeld von limitierten finanziellen Mitteln, hohem technischem Sachverstand und überdurchschnittlichem Qualitätsanspruch immer wieder innovative Lösungen.

Das Sterben des alten Films setzte Ende der Fünfzigerjahre ein und zog sich, bestimmt von verschiedenen Reanimationsversuchen und Rückzugsgefechten, bis in die Siebzigerjahre hin. Die lange Übergangsperiode war geprägt von der Gleichzeitigkeit von Ungleichzeitigem. Diese Parallelen der Entwicklungen erschweren eine klare Periodisierung ebenso wie die Rekonstruktion von Kausalitäten. Dennoch, oder gerade deswegen, wurde der Übergang vom alten zum neuen Schweizer Film in der Filmgeschichtsschreibung meist im Sinne eines radikalen Bruches interpretiert. Die oft zitierte Metapher vom „Jahr null“ markiert den Zeitpunkt, an dem Betrachtungen abbrechen oder beginnen. So enden die beiden Standardwerke von Aeppli/Wider und Dumont zur Schweizer Filmgeschichte 1964 respektive 1965. Hervé Dumonts und Maria Tortajadas Folgeband Histoire du Cinéma Suisse setzt 1966 ein.

Erleben und Erinnern

Ein Angestellter in einem Filmlabor wie Charly Huser oder ein Gebrauschsfilmer wie René Boeniger erlebte die späten Sechzigerjahre völlig anders als die vielen „Jungfilmer“, die autodidaktisch ihre ersten Filme realisierten. Kontinuierlich sich entwickelnde Arbeitspraxen stehen in dieser Zeit Aufbruchswillen, die Lust zum Experiment und zur Provokation gegenüber.

Basierend auf vierzig individuellen Erinnerungen und Erfahrungen von Kinobetreibern, Beleuchtern, Kameramännern, einer Verleiherin, einem Verleiher, Cuttern, einem Drehbuchautoren, Regieassistenten, Regisseuren, Produzenten, einem Schauspieler, zwei Schauspielerinnen, einer Scriptfrau, Filmtechnikern, Auftragsfilmern, Amateurfilmern, Fernsehredakteuren, Filmjournalisten, einem Filmfunktionär, die Funktionen überschneiden sich mitunter, beleuchtet Cinémémoire.ch die alltägliche Berufspraxis in den Sechziger- und Siebzigerjahren.

Die Erinnerung führt ein unkontrollierbares Eigenleben, sie verzerrt, lässt aus, schönt oder verleiht Sinn. Darum schien es sinnvoll, gemeinsam erlebte Ereignisse oder Umstände von verschiedenen Zeitzeugen geschildert zu bekommen. Wichtig sind aber nicht nur Ereignisse, die Eingang in ein kollektives Gedächtnis fanden, sondern insbesondere das Alltägliche in der Erinnerung der Gesprächspartner. Die Quantität der Erinnerungen, der Vergleich der Aussagen untereinander und schriftliche Quellen sollen es erlauben, ein Gesamtbild zu skizzieren, das nicht nur durch subjektive Einzelperspektiven – und Interpretationen – dominiert, sondern durch Vielstimmigkeit geprägt ist. Cinémémoire.ch will also keine „Legenden“ zerstören. Es will durch Erinnerungen und bisher wenig berücksichtigte Quellen ein differenziertes Bild des Filmschaffens der Sechziger- und Siebzigerjahre entwerfen.

Die Interviews

Die eigenen Arbeitserfahrungen von in den Sechziger- und Siebzigerjahren aktiven Filmschaffenden standen im Zentrum der frei geführten Gespräche. Wir wollten wissen, wie sie damals gearbeitet haben und was sich im Laufe der Zeit geändert hat. Es ist heute nur schwer vorstellbar, was es bedeutete, ohne Direktton mit schweren 35mm-Kameras oder ohne Bundessubventionen zu arbeiten. Wichtig war in den lebensgeschichtlich ausgerichteten, frei geführten Gesprächen das subjektive Erlebte und Erinnerte, in dem sich Privates und Berufliches vermischen. Gewisse Ereignisse und Begebenheiten (Berufseinstieg, Filmgesetz und dessen Revision, Expo 64, Solothurner Filmtage ab 1966,  Treffpunkte, Zusammenarbeiten, ökonomische Verhältnisse, Filmtechnik, Grenzüberschreitungen zwischen Filmgenres, Medien, Generationen, Landesgrenzen und Landesteilen, um nur die wichtigsten zu nennen) haben wir in allen Gesprächen thematisiert.

Die auf digitalem Videoformat HDV Aufzeichnungen dauern zwischen einer und viereinhalb Stunden. In der Regel führten wir die Interviews bei den Gesprächspartnern zu Hause, in Ausnahmefällen an ihren aktuellen oder ehemaligen Wirkungsstätten. Bei der Vorbereitung und Auswertung der Gespräche standen folgende Fragen im Vordergrund:

Welche Schritte der Erneuerung in der Produktion, Distribution und Rezeption sind beobachtbar?

Welche Beweggründe stehen hinter Erneuerungen?

Warum scheiterten diese Erneuerungsversuche fast ein Jahrzehnt lang und wieso gelangen sie in den Siebzigerjahren?

Wie sahen die frühen Gehversuche der jungen Generation des neuen Schweizer Films und die späten Aktivitäten der alten Generation aus? 

Wie gross ist der Einfluss herkömmlicher Strukturen und Personen auf die Erneuerung?

Wie, wo und warum bildeten sich und neue Strukturen und wo lösten sich alte auf?

Wie, wo und warum fanden Gruppen, Initiativen, Kooperativen zusammen, was trennte sie allenfalls wieder?

Inwiefern sind die Formen des alten und des neuen Schweizer Films durch Technik und Konventionen bedingt?

Die Idee ein mündliches Gedächtnis zum Schweizer Film zu schaffen, geht zurück auf ein Jubiläumsprojekt des Verbandes Filmregie und Drehbuch Schweiz aus dem Jahr 2002, das die Filmwissenschaftlerin Yvonne Zimmermann initiierte. In der Folge entwickelte es sich zum gesamtschweizerischen wissenschaftlichen Forschungsprojekt Cinémémoire.ch, das dem Schweizerischen Nationalfonds unterbreitet wurde. An diesem Konzept waren Prof. Dr. Margrit Tröhler vom Institut für Filmwissenschaft der Universität Zürich, Prof. Dr. Maria Tortajada sowie Marthe Porret von der Section d’histoire et esthétique du cinéma von der Universität Lausanne wesentlich beteiligt. Da ein gesamtschweizerisches Projekt zu Beginn nicht finanziert werden konnte, musste das Vorhaben in einen Deutschschweizer und einen Westschweizer Teil geteilt werden. Im Deutschschweizer Projekt schien es uns wichtig, Erinnerungen von Filmschaffenden, die in der ganzen Schweiz gearbeitet haben oder arbeiten einzubeziehen. So beinhaltet der Korpus Gespräche mit Renato Berta (französisch), Madeleine Fonjallaz (französisch/deutsch), Yves Yersin (französisch), Hermann Wetter (deutsch), Robert Boner (deutsch) und Philippe Dériaz (deutsch).

Es bleibt zu hoffen, dass die beiden Cinémémoire.ch – Projekte als Ganzes sichtbar und als das wahrgenommen werden, was sie sind: Eine substantielle neue Quelle zur Schweizer Filmgeschichte der Sechziger- und Siebzigerjahre.

Auf der Homepage des Deutschschweizer Teilprojektes sind neben weiteren Informationen 5 Filme abrufbar:

Wie der Funke übersprang (mit französischen Untertiteln)
Annette Brütsch
Die erste Begegnung mit bewegten Bildern ist für viele ein prägendes Ereignis. Wie entstand die Idee, oft eine Passion, selbst Filme machen zu wollen? Wann und wie sprang der Funke? Wie wurden aus Filmbegeisterten Filmemachende?

Die Anfänge der Solothurner Filmtage (mit französischen Untertiteln)
Heidi Hiltebrand
Solothurn im Januar ist seit 1966 Treff- und Angelpunkt des Schweizer Filmschaffens. Besonders die ersten Jahre waren von einer Aufbruchstimmung und mitunter leidenschaftlichen ästhetischen und weltanschaulichen Debatten geprägt.

Dällebach Kari Die Entstehung des Films von Kurt Früh (mit französischen Untertiteln)
Franziska Schlienger
Der Kameramann Fritz E. Maeder, der Hauptdarsteller Walo Lüönd, Franziska Kohlund sowie der Editor Georg Janett und der Produzent Peter Hellstern erinnern sich in diesem dichten Essay an die turbulenten Dreharbeiten.

Gespräch mit Rolf Lyssy
Bernhard Lehner/Robin Wenger
Der biografische Zugang: Ausschnitte aus dem Interview mit Rolf Lyssy, angereichert mit historischen Foto- und Filmaufnahmen.

Kopf, Hand und Herz : Film als Handwerk
Thomas Schärer
Drehen mit mechanischen Kameras, Ton Anlegen, Montieren auf einem Schneidetisch, Postproduktion auf selbst gebauten Geräten, Lichtbestimmung: Filme machen vor dem digitalen Zeitalter hatte viel mit handwerklichem Geschick zu tun.

Liste der Interviewpartnerinnen und Interviewpartner

Retour en haut